Rechtliches18. Juni 20266 Min. Lesezeit

KI-Führerschein-Pflicht 2025/2026: Was Handwerk, Dienstleister & Behörden jetzt nachweisen müssen

Seit Februar 2025 verlangt Art. 4 EU AI Act KI-Kompetenz von allen, die mit KI arbeiten – ab August 2026 wird kontrolliert. Was das konkret bedeutet, wer betroffen ist und wie Sie pragmatisch (und gefördert) nachweissicher werden.

Steffen Hefter
Steffen Hefter

frimalo – KI-Beratung für KMU

Worum es geht: der „KI-Führerschein"

„KI-Führerschein" ist der umgangssprachliche Name für eine echte gesetzliche Pflicht: Artikel 4 der EU-KI-Verordnung (EU AI Act, VO 2024/1689). Er verlangt, dass jeder, der KI im Unternehmen einsetzt, für ein „ausreichendes Maß an KI-Kompetenz" bei seinen Mitarbeitenden sorgt. Klingt abstrakt – hat aber sehr konkrete Folgen.

Das Verwirrende daran: Es gibt keine vorgeschriebene Prüfung, keine zertifizierte Norm und keinen amtlichen „Führerschein". Genau diese Unklarheit verunsichert viele Betriebe. Dieser Beitrag bringt Ordnung hinein.

Die wichtigsten Eckdaten

  • Rechtsgrundlage: Art. 4 EU AI Act
  • Gilt seit: 2. Februar 2025
  • Durchsetzung/Aufsicht ab: 2. August 2026
  • Wer betroffen ist: jeder Betreiber und Anbieter von KI – unabhängig von Branche, Größe oder Position
  • Was gefordert wird: KI-Kompetenz je nach Rolle, Vorwissen und Einsatzkontext
  • Nachweis: dokumentiertes Programm + Teilnahmenachweise (Aufbewahrung in der Regel 5 Jahre)

Gilt das auch für mich?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja. Die Pflicht greift bereits, wenn in Ihrem Betrieb KI genutzt wird – und sei es nur gelegentlich. Typische Fälle:

  • Mitarbeitende verwenden ChatGPT, Microsoft Copilot oder Gemini.
  • Eingesetzte Software enthält KI-Funktionen (Übersetzung, Texterstellung, Auswertung, Chatbots).
  • KI steckt in Kundenkommunikation, Verwaltung, Buchhaltung oder Produktion.

Es gibt keine Ausnahme für kleine Betriebe. Handwerk, Dienstleistungs-Mittelstand und Behörden sind genauso gemeint wie Konzerne.

Was Aufsichtsbehörden konkret erwarten

Auch ohne starre Norm zeichnet sich ab, was im Ernstfall nachweisbar sein sollte:

  • ein dokumentiertes Schulungsprogramm mit Inhalten und rollenbasiertem Umfang,
  • Teilnahmenachweise für die betroffenen Mitarbeitenden,
  • Inhalte, die die Fähigkeiten, Grenzen und Risiken der eingesetzten KI abdecken,
  • ein Prozess, der die Schulung aktuell hält, wenn sich die KI-Nutzung ändert.

Wichtig zur Entwarnung: Sie müssen kein KI-Officer-Gremium aufbauen und keine Wissensprüfung abnehmen. Es geht um nachvollziehbare, dokumentierte Befähigung – nicht um Bürokratie um ihrer selbst willen.

Warum „nichts tun" teuer werden kann

Wer nicht schult, riskiert mehr als ein abstraktes Bußgeld. Kommt es durch KI-Nutzung zu einem Schaden oder Verstoß, gilt fehlende Schulung schnell als Sorgfaltspflichtverletzung – mit entsprechender Haftungsfolge. Spätestens ab August 2026, wenn die Aufsicht greift, ist der dokumentierte Nachweis das, was zählt.

Die gute Nachricht: oft 50–80 % gefördert

Die Qualifizierung Ihrer Mitarbeitenden ist in vielen Fällen förderfähig – über Programme wie die BAFA-Unternehmensberatung (50 % in den alten, 80 % in den neuen Bundesländern), go-digital, das Qualifizierungschancengesetz (QCG) der Agentur für Arbeit oder INQA-Coaching. Als BAFA-Berater beantrage ich die passende Förderung mit – so zahlen Sie real oft nur 20–50 %.

So werden Sie pragmatisch nachweissicher

  1. Bestandsaufnahme: Wo wird bei Ihnen KI genutzt – offiziell und inoffiziell?
  2. KI-Richtlinie: erlaubte Tools, Datenschutz, Verantwortliche schriftlich festhalten.
  3. Schulung: Mitarbeitende rollengerecht befähigen – per Online-Kurs oder Inhouse-Schulung.
  4. Dokumentation: Teilnahmen festhalten und mindestens 5 Jahre aufbewahren.
  5. Förderung: Zuschuss prüfen und beantragen.

Ihr nächster Schritt

Machen Sie den kostenlosen KI-Führerschein Self-Check: sechs Fragen, danach wissen Sie, ob die Pflicht für Sie gilt und wo Ihre Nachweis-Lücken sind. Auf der Seite KI-Führerschein finden Sie die drei Wege zur Erfüllung – als geförderte Beratung, Online-Kurs oder Inhouse-Schulung.

Rechtlicher Hinweis: Die Inhalte und Schulungen des KI-Führerscheins unterstützen Sie dabei, die KI-Kompetenz-Pflicht nach Art. 4 EU AI Act zu erfüllen und zu dokumentieren. Sie stellen jedoch keine Rechtsberatung dar und ersetzen diese nicht. Eine bestimmte Bewertung durch Aufsichtsbehörden oder ein bestimmter rechtlicher Erfolg wird nicht zugesichert. Für eine verbindliche Einordnung Ihres Einzelfalls wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

Ihr nächster Schritt

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Steffen Hefter

Über den Autor

Steffen Hefter

KI-Berater bei frimalo, Halle (Saale). Über 20 Jahre Erfahrung in Führung, Digitalisierung und Change-Management. Hilft KMU, KI pragmatisch einzusetzen.

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